Messerschmitt Bf109 -Hispano Aviacion HA-1112-M1L Buchon

Im Jahr 1942 wurde zwischen Hispano-Aviacion (federführend die damalige Spanische Regierung) und Messerschmitt ein Lizenzvertrag zur Fertigung von Messerschmitt Bf109 G Jägern abgeschlossen. Das Flugzeug der Baureihe G-2 sollte mit den geeigneten DB605A, VDM Propellern, Instrumenten und Waffensätzen an Spanien geliefert werden. Dort, in der Nähe von Sevillia, sollten die Maschinen montiert werden.

Durch die hohe Kriegsbelastung war es jedoch Messerschmitt und dessen Zulieferern nicht möglich, Hispano mit den versprochenen Teilen zu versorgen. So konnten nur 25 Rumpfkeulen geliefert werden und eben einen kleinen Teil der Werkspläne. Die Rumpfkeulen wurden übrigens ohne Leitwerke (Seitenleitwerk, Höhenleitwerke) ausgeliefert.

Um die Flugzeuge überhaupt flugfähig machen zu können, bedienten sich die Hispano-Konstrukteure des eigenen Motors, nämlich den Hispano-Suiza 12Z-89. Dieser 12Zylinder-Motor leistete rund 1.300 PS (zum Vergleich, der 605A leistete rund 170 PS mehr). Der Erstflug dieser Maschine war dann Ende 1944 in der Nähe von Barcelona. Am 2.März 1945 flog die erste HA-1109-J1L (so die genaue Bezeichung) in Sevilla. Diese Maschine war dann auch mit dem bekannten VDM-Propeller ausgerüstet. Die restlichen 24 Rümpfe wurden zwischen 1947 und 1949 eingeflogen. Hier jedoch mit einem Escher-Wyss Propeller. Operativ wurden diese 25 Flugzeuge aber nie eingesetzt.

Die Weiterentwicklung war dann die HA-1109-K1L.  Der Motor, diesmal ein Hispano-Suiza 12Z-17 konnte noch einfacher eingebaut werden (Veränderung der Motoraufhängung) , als Propeller diente ein DH Hydromatic mit 3 Blättern. Bewaffnet war diese Version mit 12,7mm Breda Maschinengewehren, sowie Pilatus-80mmRaketenwerfern. Der Erstflug erfolgte im Mai 1951. Von den ursprünglich geplanten 200 Einheiten wurden jedoch nur 65 Exemplare gebaut. 1955 wurden die Flugzeuge aus dem aktiven Dienst genommen. Als Spitznamen bekam diese Maschine „Tripala“ verpasst, was nichts anderes heisst als „Dreiblatt“. 

Die „Hauptspezialität“ der Hispano gegenüber der Messerschmitt sind die gegensinnig drehenden Motoren. Die Hispano-Motoren drehen im Uhrzeigersinn, die DB605 aber im Gegenuhrzeigersinn, das heisst die Propellerdrehrichtung ist unterschiedlich (der Propeller beim DB605 im Uhrzeigersinn, beim Hispanomotor im Gegenuhrzeigersinn).

Um das Popellerdrehmoment auszugleichen, hatten die Messerschmitt-Konstrukteure bereits in der Baureihe „F“ ein asymetrisches Seitenleitwerk entwickelt. Dieses, asymetrisch profilierte, Seitenleitwerk lässt das Flugzeug dem Drehmoment des DB605 entgegenwirken. Das Drehmoment des 605er beim Start „verhalf“ in Kriegszeiten schon vielen Piloten zum Bruch, das profilierte Seitenruder brachte hier etwas Abhilfe.

Das Problem ist, dass der Hispano-Motor aber im Uhrzeigersinn dreht, und hierfür hier ist das Original Baureihe „G“-Leitwerk falsch profiliert. Anstatt dem Drehmoment des Propellers entgegenzuwirken, verstärkt das asymetrisch profilierte Leitwerk die unangenehme Drehmomentreaktion des Flugzeuges.

Die HA-1110-K1L war eine zweisitzige Trainerversion, aber eben ein Einzelstück. Der Nomenklatura folgend, war die letzte Serienfertigung die HA-1112-M1L. Diese HA-1112-M1L bekam dann auch den allseits beklannten Spitznamen „Buchon“.Bouchon ist ein TaubenVogel welcher in der Nähe des Hispano-Werkes in Sevilla beheimatet ist.Der Erstflug erfolgte am 29.03.1954.Diese Baureihe wurde mit einem Rolls-Royce Merlin 500-45 ausgerüstet, der Vierblatt-Propeller wurde von Rotol gefertigt. Um dem Rolls-Royce genügend Kühlluft zu verschaffen musste die Frontpartie stark verändert werden, der typische Kinnkühler wurde installiert.

Die Bewaffnung bestand aus 2 * 20mm-Hispano-Suiza Kanonen und die bereits beim Vorgänger genutzten Pilatus-Raketenwerfer. Die „Buchon“ blieb bis Ende 1965 (!!!) im operativen Einsatz. Die letzte Ausmusterung erfolgte am 27.12.1965. 

Da diese Maschinen noch so spät aktiv genutzt wurden, verdankt auch dass die Flugzeuge nach der militärischen auch noch eine cineastische Karriere machten. Die „Bouchons“ wurden in den bekannten Kinofilmen „Luftschlacht um England“, „Memphis Belle“ und eben „Tuskegee Airmen“. Teilweise wurden für die Filme die „Buchons“ zum Mustangs oder Hawker Hurricanes umgebaut. Eine wahrlich lange Karriere. 

Technische Daten der “Buchon”:

Hispano Aviación HA-1112-M1L Buchon

  • Spannweite 992cm
  • Länge 913cm
  • Höhe  260 cm
  • Flügelfläche 16 m², Flächenbelastung 206Kg/m²
  • Leergewicht 2,650 kg, Maximalgewicht  3.300 Kg
  • Rolls-Roye Merlin 500/45 ca. 1.600 PS , 4-Blatt Rotol Propeller
  • MaxSpeed 660km/h,
  • Gipfelhöhe ca. 10.000mtr ( ca. 33.000 Ft)
  • Reichweite ca. 760km

 

Ein Versuch einer Auflistung der noch existierndenen Hispano HA-1109 - 1112 t

HA-1109-K1L (also Flugzeuge aus dem ersten spanischem Baulos)

  • Serial  xx C.4J-unbekannt, Luftwaffenmuseum Gatow (Nachbau als G-2 mit DB605)
  • Serial  54 C.4J-unbekannt, Messerschmitt Stiftung
  • Serial  56 C.4J-10, Luftfahrtmuseum Madrid

HA-1112-M1L (die “Buchon” mit Merlin-Motor)

  • Serial unbekannt  C.4K-30 , Edwards Collection, Texas (eingelagert)
  • Serial 067 C.4K-31, Reg.: N109ME , Duxford, England (flugfähig)
  • Serial 120 C.4K-77, Reg.: N700E, Planes of Fame, Chino, Kalifornien  (derzeit in Restaurierung)
  • Serial 129 C.4K-61, Reg.: G-AWHE , Edwards Collection, Texas  (eingelagert)
  • Serial 133 C.4K-64, Reg.: N109FF, Fighter Factory, Virginia (Umbau auf DB605)
  • Serial 137 C.4K-116, Reg.: N6109, Quantico, Virginia  (eingelagert)
  • Serial 139 C.4K-75, D-FWME (Rote Sieben), Messerschmitt Stiftung (Umbau auf Baureihe G mit DB605), flugfähig  
  • Serial 144 C.4K-162, Reg.: unbekannt England, flugfähig
  • Serial 145 C.4K-105, Reg.: N6036, private , Illinois (eingelagert)
  • Serial 156 C.4K-87, Reg.: D-FMBB, Messerschmitt Stiftung (flugfähig, Umbau auf DB605) )
  • Serial xxx C.4K-111, Edwards Collection, Texas (eingelagert)  
  • Serial 164 C.4K-114, Western Canada Museum (Ausstellung)
  • Serial 166 C.4K-106, Reg.: N90607, Edwards Collection, Texas (eingelagert)  
  • Serial 171 C.4K-100, Reg.: N76GE, Kalamazoo Museum Michigan (Display)
  • Serial 172 C.4K-102, Reg.: G-BWUE, Spitfire Ltd, Jersey, England (flugfähig)
  • Serial 186 C.4K-122, Reg.: N109J , Museum of Flight, Seattle (Austellung, Umbau auf “E” mit DB601)
  • Serial 187 C.4K-99, Reg.: N90604, Edwards Collection, Texas (eingelagert)  
  • Serial 190 C.4K-126, Reg.: N90603, Edwards Collection, Texas (eingelagert)  
  • Serial 193 C.4K-130, Reg.: N90602, Tillamook AirMuseum , Orgeon (Ausstellung)  
  • Serial 194 C.4K-134, Wittmundshafen (Leihgabe an das Museum, Umbau auf DB605)
  • Serial 195 C.4K-135, in St.Louis eigelagert  
  • Serial 199 C.4K-127, Reg.: N109BF, Oshkosh Wisconsin (flugfähig)
  • Serial 201 C.4K-131, Reg.: OO-MAF,  Belgien (Flugfähig)
  • Serial 211 C.4K-148, Luftfahrtmuseum madrid (Ausstellung)
  • Serial 213 C.4K-40, Reg.: D-FEHD, “Schwarze 2” Messerschmitt Stiftung
  • Serial 220 C.4K-152, Reg.: N4109G, Edwards Collection, Texas (eingelagert)  
  • Serial 223 C.4K-154, Edwards Collection, Texas (eingelagert) 
  • Serial 228 C.4K-170, Reg.: N170BG, Auto&Technik Museum Sinsheim (Umbau auf DB605)  
  • Serial 234 C.4K-169, Reg.: N109W, MeierMotors Bremgarten (flugffähig)  
  • Serial 235 C.4K-172, Reg.: N109GU,  Cavanough Flight Museum, Texas (flugfähig)
  • Serial 178 C.4K-178,  eingelagert, Umbau auf DB601

 

Buchons 4

 

 

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