Supermarine Spitfire FR Mk.XVIIIe

 

 SpitfireMkXVIII Seaman Collection (copyright Richard Seaman)

 

Ende März 2015 wurde diese Spitfire an uns ausgeliefert. Der neue Eigentümer, wird das Flugzeug in die Sammlung Hangar10 auf der Insel Usedom integrieren. Neben der doppelsitzigen Spitfire T9 mit Merlin-Motor komplettiert nun auch eine späte Spitfire mit Griffon Motor die Sammlung. Der Auftrag ist klar umrissen : Überprüfung, Zusammenbau und Zulassung mit Deutscher Registrierung.

 

Zuerst aber wie üblich etwas Geschichte

Über die Spitfire im Allgemeinen zu referieren, wäre "Eulen nach Athen tragen", gehört doch die Spitfire zu den bekanntesten Flugzeugen weltweit. Bei der Mk.XVIIIe handelt es sich um eine sogenannte "late mark" Spitfire. Bei den "late mark" Spitfires unterscheidet man zwischen den Merlin-powered Spitfires und eben den Griffon-powered Spitfires.

Der Rolls Royce Griffon enstand 1938 durch die Forderung der Royal Navy nach einem leistungsfähigen Aggregat für geringe Flughöhen. Rolls Royce entwickelte daraufhin einen V-12 Motor mit 36,7 Liter Hubraum mit rund 2.000PS Leistung. Der 60Grad-V-Motor lief zum ersten mal 1939 auf dem Prüfstand. Natürlich dachte man auch darüber nach, das große Aggregat in die Spitfire einzusetzen. Supermarine erhielt darauf hin den Auftrag den Griffon in eine Spitfire einzubauen. Bei dem Einbauversuch erfuhr das Triebwerk einige Änderungen um den Stirnwiderstand der Spitfire so gering wie möglich zu halten. Keine einfache Aufgabe, verfügt das Standardtriebwerk der Spitfire, der Merlin, doch um einen um 10Liter kleineren Hubraum. Der Nockenwellenantrieb wurde in das Propellergetriebe integriert (beim Merlin wird die Nockenwelle über die Kurbelwelle an der Rückseite des Motors angetrieben), neu entwickelte Doppelmagnete wurden auf der Getriebeglocke verbaut. Dadurch sparte man viel Bauraum ein und so war das Triebwerk nur unwesentlich größer als der Merlin, verfügte aber um über 30% mehr Hubraum. Am Ende des Tages war auch diese Aufgabe geschafft und dieses Aggregat ging als Griffon II in Produktion. Die erste Griffon-Spitfire, eine Mk.IV mit der Kennung DP845 flog erstmals am 27.November 1941. Um die Leistung in Votrieb umzusetzen, verbaute man einen Rotol-4-Blatt-Propeller mit 3,1m Durchmesser.

Mit der Spitfire Mk.XII ging im Oktober 1942 die erste Griffon Spitfire in Serienproduktion. Frühe XII hatten noch das nicht einziehbare Spornfahrwerk. Basis für diese erste Produktionslos von 100 Flugzeugen waren zum einen MkV Spitfires, zum anderen aber auch MkVIII mit Einziehspornfahrwerk ausgegliedert worden. Während die frühen Versionen nur 85gal (ca. 380 l) Benzin im Rumpf mitführen konnten und damit nur eine geringe Reichweite von rund 600km hatten, profitierten die späten Mk.XII von dem höheren Tankvolumen der Mk.VIII airframes welche auch Flügeltanks mit einem Gesamtfassungsvermögen von 28gal (ca. 130 l). Auch wurde die Oberflächenqualität wesentlich verbessert um dem Widerstand zu mindern. Gerade in niedrigen Flughöhen galten diese Spitfires als die schnellsten Flugzeuge ihrer Zeit. Diese frühen Griffons waren allesamt mit dem "clipped wing" ausgerüstet und waren dadurch auch noch extrem manöverierfähig. Diese Kürzung des Flügels brachte einen Geschwindigkeitszuwachs von rund 23 km/h. Die MkXII DP845 wurde im Juli 1942 auch vergleichsgeflogen und war schneller als eine Hawker Typhoon und auch, viel wichtiger, schneller als die erbeutete Focke Wulf Fw190. Mit der Griffon-Spitfire hatte man nun endlich einen ernstzunehmenden Gegner für die Focke Wulf Fw190 gefunden. Diese gewisse Überlegenheit wurde aber im Laufe des Krieges dadurch wieder zu Nichte gemacht, dass die Focke Wulf Piloten sich kaum auf Luftkämpfe in geringer Höhe einliessen. In größeren Höhe verlor der Griffon schnell an Leistung und die Fw190 waren wieder mindestens ebenbürtig. Dennoch erhielten die Mk.XII Berühmtheit beim Abfangen der V-1 Fernlenkwaffe. Im Herbst 1944 wurden die Mk.XII aus dem Fronteinsatz dann abgezogen.

Um der schwachen Höhenleistung der Mk.XII entgegenzuwirken, entwickelte Rolls Royce 1943 die Griffon 61 series, nun mit einem Zweistufenlader ausgerüstet. Dieser Motor wurde leicht modifiziert und als Griffon 65 in die Spitfire Mk.XIV verbaut. Auch die Mk.XIV basierte auf der Mk.VIII, erhielt aber den sog. "low-back" mit "tear-drop-canopy", also einen niedrigen Rumpfrücken mit Vollsichthaube. Diese frühen Mk.XIV hatten den verbesserten E-Flügel mit verstärkter Bewaffnung. Der Griffon 65 leistete über 2.000 PS und wurde um ca. 30cm nach vorne versetzt. Auch erhielt die obere Motorhaube nun die typischen Griffon-Beulen. Der nun verbaute Rotol-5-Blatt-Propeller hatte einen Durchmesser von ca. 3,20 Meter. Auch erfuhren die Flächenkühler Veränderungen. Sie waren nun wesentlich größer, in Folge wurden auch die radiator-housings verlängert und verbreitert. Der Öltank fasste nun 45 Liter und wurde vor dem Rumpftank verbaut. Um der nun veränderten Schwerpunktlage entgegen zu wirken, wurde das komplett überarbeitete Funksystem in den Hinterrumpf verbaut. Dieses benötigte auch nicht mehr den großen Antennenmast. Ebenfalls erhielt die Mk.XIV ein neues, vergrößertes Seitenleitwerk um den veränderten Hebelverhältnissen Rechnung zu tragen. Der Erstflug dieser umgebauten Mk.VIII (nun Mk.VIII G) fand am 20. Januar 1943 statt. Ein Jahr später wurde die Mk.XIV an das 610 Squadron ausgeliefert.

Die Mk.XIV konnte in rund 5 Minuten nahezu senkrecht auf 6.000 Meter steigen und erreichte eine Höchstgeschwindigkeit in 7.700 Meter von 720 km/h. Sehr beliebt war die Griffon Spitfire bei den Piloten nicht, da durch das sehr starke Drehmoment des Griffon das handling nicht mehr so einfach war wie bei der alten Mk.V. Dennoch, durch die sehr gute Steigleistung, Manöverierfähigkeit und Höhentauglichkeit waren diese Spitfires mehr als ebenbürtig zu den Focke Wulf Fw190. Zum Nachteil gelangte die immer noch recht geringe Reichweite, da der Griffon doch erheblich mehr Kraftstoff verbrauchte als der ursprüngliche Merlin. Der Tankinhalt von rund 500 Liter erlaubte Reichweiten von maximal 750 km. Im Herbst 1944 erhielten die Mk.XIV einen weiteren 150 Liter fassenden Tank hinter dem Pilotensitz. Dadurch konnte die Reichweite bei den F und FR Varianten auf rund 1.000 Kilometer erhöht werden.

Die Mk.XIV wurde ebenfalls zum Abfangen der V1-Fernwaffen eingesetzt und dies mit sehr großem Erfolg. Durch Verwendung von 150 oktanigem Kraftstoff konnte der Ladedruck auf 80,7 inch erhöht werden, welches eine Geschwindigkeitszunahme von knapp 50 km/h auf nun über 640 km/h in niedriger Höhe bedeutete. Schon bald ergaben sich aber Verformungen am hoch belasteten Flügelwerk. Es kam zwar nicht zu strukturellem Versagen, dennoch forderte das Minestry den "Umbau" auf die gekürzten Flächen. Im Frühjahr 1945 waren alle Mk.XIV mit dem "clipped-wing" ausgerüstet.

Die Spitfire Mk.XVIII (Mk.18 je nach Schreibweise - ab 1942 wurde langsam die römische Nomenklatur gegen die arabische Nomenklatur ausgetauscht) ist im Grunde eine verbesserte Mk.XIV. Die Treibstoffmenge wurde nochmal erhöht, der Tragflügel wurde komplett überarbeitet und verstärkt. Von der Mk.18 wurden sowohl Jagdflugzeuge als auch Aufklärer gebaut. Etwa 300 Mk.XVIII verliessen zwischen 1945 und 1946 die Werkshallen. Das erste RAF Squadron welches die Mk.XVIII einsetzte, war das 60 Squadron RAF Seletar / Singapur. Operationellen Einsatz sahen dieses Spitfires kaum, sieht man von Guerilla-Einsätzen beim "Malayan Emergency" ab. Im Rahmen eines lease-Abkommens wurden 20 Mk.XVIII and die Indische Luftwaffe (RIAF) übergeben. Zu diesem Los zählte auch die hier vorgestellte TP280.

Die Spitfire FR Mk.XVIIIe wurde mit der Seriennummer TP280, construction number 6S/676372, an die RAF ausgeliefert (TOC 19.06.1945) und dat Dienst beim 9 Squadron. Im Dezember 1947 wurde die TP280 an die Indische Luftwaffe übergeben und mit der taktischen Kennung HS654 eingegliedert.

SpitTP280o (source Internet)

Ormond & Wensley Haydon-Baillie aus Duxford entdeckten das Flugzeug 1977 in der Nähe von Kalaikunda (Indien Bengal) und verbrachten das Flugzeug nach Großbritannien. TP280 wurde an Rudolf Frasca verkauft und in Illinois bei Champaign teilrestauriert. Die Vollendung der Restaurierung erfolgte bei Historic Flying Ltd Duxford. Im Juli 1992 hob die, nun unter G-BTXE zugelassene, Spitfire zum Erstflug nach langer Restaurierung im Juli 1992 ab. Als Lackierschema wurde der Anstrich einer Mk.XVIII des 60 Squadron RAF gewählt, welche 1950 bei der "Malayan Emergency" eingesetzt wurde. Das 60 Squadron war die letzte Einheit der RAF welche die Spitfire aktiv nutzte.

Das Flugzeug wurde im September 1992 wieder in die USA zu Rudolf Frasca verbracht und dort mit der amerikanischen Registrierung N280TP geflogen.

Rudy Frasca / Frasca International Inc verkaufte im Jahr 2015 die schöne Spitfire über MeierMotors Aircraftsales an unseren Geschäftspartner "Hangar10". Hier schliesst sich also der Kreis.

Wir sind natürlich sehr stolz darauf, dieses Projekt bei uns in der Werft zu haben und bedanken uns für diesen Auftrag.