C-36 2013-01-114

 

 

 

 

 

Die EKW C-3603 - ein Stück Schweizer Luftfahrtgeschichte

Wie bei allen Projekten, zuerst ein paar Worte zur Geschichte dieses Flugzeuges.

Die EKW (Eidgenössiche Konstruktions Werkstätten) C-36 ist ein Schweizer Mehrzweckkampfflugzeug. Zu Beginn war ein Bau dieses Flugzeuges eher nicht geplant. Die Schweizer Fliegertruppen benötigten einen Nachfolger für die in die Jahre gekommenen Fokker C.V -E. Für den Einsatzzweck Geleitschutz, Aufklärung und Jagdeinsatz stellten die EKW 1935 zwei Vorschläge vor. Zum einen eine Modifikation des Doppeldeckers EKW C-35, zum anderen eine komplette Neuentwicklung. Dieser Eindecker mit Endscheibenleitwerk hiess C-36.

Der Entwurf C-36 wurde fallengelassen, da die Streitkräfte für die Rolle Geleitschutz und Mehrzweck erneut zu einem ausländischem Muster tendierten, genauer das deutsche schwere Jagflugzeug Messerschmitt Bf110 und die französische Potez 63. Die Einsatzrolle "Abfangjagd" wurde durch die deutsche Konstruktion Messerschmitt Bf109-E und die in Lizenz gebaute Morane 3800 geleistet. Zum Ersatz der Fokker C.V-E wurden sodann 80 EKW C-35 geordert.

Die Beschaffung der ausländischen Muster scheiterte jedoch und der Entwurf C-36 wurde wieder aus der Schublade gezogen und 1938 der Prototypenbau in Auftrag gegeben. Bereits im Mai 1939 flog der erste Prototyp die C-3601.Hier das Photo eines Windkanalmodells

C3601 Holzmodell

(source Internet, copyright unbekannt)

Diese C-3601 war mit einem Hispano-Suiza 12YCrs Motor (850 PS) ausgestattet welcher seine Kraft an einen Verstellpropeller ubertrug. Das Flugzeug besass ein festes Fahrwerk mit Radverkleidungen. Leider ist dieser Prototyp durch Tragflächenflattern in der Erprobung zerstört worden. Der zweite Prototyp mit "constant speed"-Propeller  (Hispano-Suiza 12Y-51 1.000PS) war erfolgreicher und wurde im Jahre 1940 mit diversen Änderungen, wie z.B. Einziehfahrwerk produziert. Diese (Null)Serie umfasste 10 Flugzeuge und lautete C-3603-0. Von der Serienversion C-3603 wurden insgesamt 142 Stück in Emmen gebaut.Je nach Quelle, zusätzlich 6 weitere Stück aus Ersatzteilen in den Jahren 1947-48. Die C-3603 verfügte über eine geringere Spannweite mit 13,75 Meter (Ursprung 3601 mit 15,10 Meter).

Hier ein zeitgenössisches Flugbild gegen Ende des Krieges. Das Flugzeug ist in dunkelgrün gehalten und trägt die sog. Neutralitätsstreifen

C-3603 c-467

(source Internet)

Die C-3603 wurde als Aufklärungsflugzeug und Jagdbomber eingesetzt überlebte den Krieg und blieb bis 1952 im operationellen Einsatz bei den Schweizer Fliegertruppen.

Hier ein zeitgenössisches Bild in typischem Nachkriegskleid.

C-3603 C-507

(source Internet)

Bewaffnet war die C-3603 mit einer 20mm Oerlikon Motorkanonen, 2 * 7,5mm MG in den Tragflächen und als Defensivbewaffnung ein Zwillings-MG im hinteren Cockpit. 20 Flugzeuge aus dieser Serie wurden zu Schleppflugzeugen umgebaut. Diese modifizierte Serie nannte man C-3603-1.

In den 60ern Jahren wurden 23 (24) überlebende C-3601 mit Restsstunden auf der Zelle auf eine Propellerturbine umgebaut. Diese "Serie" flog unter der Bezeichnung C-3605 und blieb bis 1988 im operationellen Einsatz. Von dem "Nasenbär" C-3605 sind noch 4 flugfähige Exemplare bekannt.

Von der C-3603 mit Hispano-Suiza 12 Zylinder gibt es nur noch 3 Exemplare. 2 davon (C-534 und C-537) stehen in Schweizer Museen.

Die einzigste flugfähige C-3603 mit Hispano-Suiza Aggregat ist die hier vorgestellte C-36 mit der Seriennummer 327. Dieses Flugzeug war in der Schweiz mit der Kennung HB-RBI registriert. Im November 2012 hatten wir die Chance diese Rarität zu erwerben und zu uns in die Werft zu verbringen. Unser Auftrag war klar umrissen, nämlich dieses Flugzeug zu restaurieren und wieder in Topzustand in die Luft zu bringen.

Mittlerweile ist das Projekt abgeschlossen. Die C-3603 wurde an einen Schweizer Enthusiaten verkauft, welcher im September 2014 das fantastische Flugzeug bei der AIR14 "100 Jahre Schweizer Luftfahrt" in Payerne dem breiten Publikum vorstellen konnte.